| Interview mit Kai Jakob ///
“Manchmal meine ich, dass die Menschen versuchen einer Technik Herr zu werden, die ihnen übersteht.”
Hallo Kai, wie lange arbeitest du schon als Fotograf?
Hi, also angefangen habe ich mit 15. Professionell arbeite ich seit ungefähr vier Jahren.
Wie bist du darauf gekommen Fotograf zu werden?
Man hat ja nicht einfach den Einfall, Fotograf werden zu wollen. Das passiert eher unbemerkt und langsam. Irgendwie war ich schon immer eher kreativ und interessiert an Visuellem. In meiner Jugendzeit bin ich dann oft fotografieren gegangen. Ich habe mich zu dieser Zeit ebenfalls schon für Magazine wie die Vogue interressiert. Dann irgendwann kam die Entscheidung, etwas erlernen zu wollen was mich weiterbringt. Ich bin ein Sammler und muss Dinge festhalten können und deshalb wollte ich lernen wie ich das am besten kann.
Auf welchen Bereich der Fotografie hast du dich spezialisiert?
Mode. Tolle Kleidung kann zur Kunst werden und Modefotografie wird es immer mehr. Zumal ich nicht leugnen kann, gerne hübsche Frauen sehen zu dürfen. Als Gegenpol dazu fotografiere ich gerne Menschen und urbane Situationen. Ein großer Bereich ist hierbei Street Art und Urbane Kunst. Dazu bringe ich die Tage mein drittes Buch heraus. Ein guter Kontrast zu dem vermeintlich „Oberflächlichen“.
Hast du Fotografie studiert?
Ja und nein. Also auf einer privaten Einrichtung mit anerkanntem Abschluss in Berlin. Nebenbei studiere ich aber gerade Kunstgeschichte an der Humboldt Universität.
Was Motiviert dich bei deinen Arbeiten?
Irgendein innerer Antrieb, der immer wieder neues Produzieren lassen will und mich unzufrieden werden lässt, wenn nichts passiert. Es ist ein gutes Gefühl, ein selbst hergestelltes Ergebnis in den Händen zu halten, eine Art Belohnung. Ich glaube, ohne das könnte ich nur schwer leben.
Was ist deine Inspirationsquelle?
Definitiv eine Mischung aus allem in meiner Umgebung. Berlin mit all seinen Facetten. Andere kreative Menschen und deren Werke. Modezeitschriften, Ausstellungen, Bücher, das Nachtleben. Man sucht sich teils bewusst teils unbewusst seine Inspirationen, in jedem Fall aber ist die Vielfalt wichtig für mich. |
Was ist das besondere an deinen Arbeiten?
Das kann ich nicht sagen. Das können andere gerne übernehmen. Ich kann aber sagen, dass ich nie die Art Fotograf sein will, die oberflächlich, egoistisch oder anmaßend ist. Ich spiele dieses ganze aufgeputschte Spiel, welches da oft abläuft, nicht mit. Ein gewisser Abstand zu den Dingen tut gut. Und wenn man sich selbst nicht zu ernst nimmt und dem Ganzen ein ironisches Lächeln abgewinnen kann, dann funktioniert das sehr gut.
Was brauch deiner Meinung nach jemand um heutzutage als Fotograf zu bestehen?
Eine Dozentin hatte mal am Anfang des Studiums gemeint dass Fotografie von nun an jedem Tag unseres Lebens begleiten wird. Dazu muss man bereit sein. Dann kommt es darauf an, was man will. Will man Erfolg, muss man sehr hartnäckig und geduldig sein, Ausdauer und ein unbedingter Wille sind wesentlich. Dazu muss man ein guter Beobachter sein und Zusammenhänge erkennen können, auch über den Tellerrand hinaus, in jeglicher Hinsicht. Man muss Talent haben und kritikfähig sein. Leider kann man sich nicht nur auf sich verlassen man muss sich ebenfalls ein Soziales Netzwerk aufbauen, ohne dieses wird es schwierig. Jedenfalls in wirtschaftlichen Sinne. Wenn man Künstler sein will, dann gelten sicher andere Denkweisen. Gerade in der heutigen digitalen Zeit des stupiden Massenfotografierens finde ich es wichtig, dass man sich Gedanken über das macht, über was man da tut und nicht blind „durch die Gegend ballert“. Man soll seine Bilder wie kleine Schätze behandeln.
Wo siehst du die Fotografie in 10 Jahren? Was glaubst du?
Die Frage der Fragen. Ich kann mir vorstellen, dass Bilder noch wichtiger werden. Schon heute leben wir in einer Welt die von Bildern dominiert wird. Werbung, Fernsehen, Kino, Zeitschriften, Bildbände aber vor allem das Internet. Kommunikation wird immer schneller und findet oft nur noch visuell statt da Inhalte mit Bildern besser vermittelt werden. Ich glaube, es wird eine immer größer werdende Masse geben die schlechte Bilder produziert. Die Technik aber wird immer mächtiger werden welche die Bilder brillianter, größer und „besser“ wirken lässt.. Es wird immer wichtiger werden neue Gesetze zu erlassen welche die Urheberrechte betreffen und die Bildmanipulation welche durchaus gefährlich ist. Alles in allem bin ich voll davon überzeugt, dass sich weiterhin Qualität durchsetzen wird, Inhalte die etwas ehrliches transportieren können und eine Eigenheit besitzen welche immer mehr Beachtung finden werden als ein tot retuschiertes Bild. Man kann nicht fotografieren nur weil Computer alles automatisieren. Manchmal meine ich, dass die Menschen versuchen einer Technik Herr zu werden, die ihnen übersteht.
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